Elisabeth Wenger- Verdingkind

Die Buchautorin und ehemaliges Verdingkind Elisabeth Wenger hat sich aufgrund ihrer eigenen Vergangenheit mit dem Thema der Kaminfegerkinder aus dem Tessin und den norditalienischen Tälern befasst. Sie befragte Zeitzeugen und recherchierte eingehend. Entstanden ist daraus das Buch «Als lebender Besen im Kamin - einer vergessenen Vergangenheit auf der Spur». Nach ihrem ersten autobiografischen Titel «Lisa, ein «Pflege»kind auf Heimatsuche» - eine wahre Geschichte ein weiteres Werk, welches auf die Geschichte der Verdingkinder in der Schweiz aufmerksam macht.

Literaturhinweise

  • «Als lebender Besen im Kamin – Einer vergessenen Vergangenheit auf der Spur», Elisabeth Wenger, 2010, Verlag Books on Demand GmbH, ISBN 3-8334-7170-0, 248 Seiten.
  • «Lisa, ein «Pflege»kind auf Heimatsuche – Eine wahre Geschichte», Elisabeth Wenger, 2010, Verlag Books on Demand GmbH, ISBN 3-8334-7165-4, 412 Seiten.
  • TV-Sendung «Aeschbacher» vom 22. April 2010, zum Thema «Brandheiss» mit Elisabeth Wenger.

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Spazzacamini. Die Schwarzen Brüder. Als Lebende Besen im Kamin
«Die Schwarzen Brüder» oder «Als lebender Besen im Kamin» , das ist die Geschichte der Tessiner Kaminfegerkinder. Die 6- bis 14-jährigen Buben, aus armen Verhältnissen stammend, mussten über Generationen, seit 1276  bis nach dem Zweiten Weltkrieg 1950 , in fremde Länder reisen, um dort als lebende Besen die Kamine zu reinigen. Die Armut und Arbeitslosigkeit zwangen die Eltern in ihrer Not, ihre Kinder an einen Padrone  zu verdingen. Zur eigenen Sicherheit hielten die Padroni in Verträgen schriftlich fest, was zwischen ihnen und den Eltern  vereinbart wurde. Die wenigen Franken, die Eltern für das verdingte Kind erhielten, linderten keine Not. Entscheidend für das Überleben der Familien waren ein paar hungrige Mäuler weniger am Tisch. An die zwanzig Kinder, sogenannte Findlinge, wurden jährlich in Locarno auf der Piazza versteigert. Padroni und ihre Schlepper, auch Gemeinderäte, bereicherten sich und ersteigerten die Kinder, um sie in Mailand, Turin, Novara oder Biella weiterzuverkaufen. Nur die schmächtigsten Buben wurden für diese Arbeit auserwählt, da sie am ehesten in die engen Kamine klettern konnten. In der Fremde erwartete die Kinder nur Hunger und Kälte, Spott und Einsamkeit. Sie schliefen in Hinterhöfen und unter Brücken. Ihre Bettdecke war der Russsack, den sie tagsüber mit Russ füllten. Unter dem Druck der meist brutalen Padroni fristeten die Kinder ein trauriges Dasein. Verletzungen durch die kantigen Kamine, Stürze in das Innere des Kamins oder von den vereisten Dächern. Von Hunger und der Kälte und nie heilenden Wunden geschwächt, starben sie oft einsam in Hinterhöfen. Zum Arzt wurden sie höchstens gebracht, wenn die Polizei auf ein krankes Kind aufmerksam wurde. Sexuellen Übergriffen waren sie hilflos ausgeliefert. Eine Schule von innen sahen sie nie, dennoch wiesen sie zu Hause die verlangten Zertifikate  vor, und es kümmerte niemanden, dass sie weder schreiben noch lesen konnten.
Die Neurekrutierung für besonders fleissige Kinder erfolgte meist bevor das Kind im April nach Hause reisen durfte. Viele Kinder überlebten diese Strapazen nicht. Über die Todesrate gibt es keine Zahlen. Die Padroni waren bestorganisierte Menschenhändler . Sie hatten in jedem Land ihre Unterhändler. Auch wenn sie immer wieder verhaftet wurden, war damit das Problem nicht gelöst. Kaum sass einer im Gefängnis, führte sein Bruder, Schwager oder sonstiger Verwandter das Geschäft weiter. Behörden und die Kirche wussten um das Elend der Kinder und unternahmen nichts. Ein Gesetz von 1873  verbot die Kinderarbeit. Dieses Gesetz wurde wenige Monate später aufgehoben und stattdessen wurde erlassen, dass fortan die neuen Kamine einen Durchmesser von 43.5 Zentimetern anstelle der bisherigen 30 Zentimeter haben sollen. «Die Schwarzen Brüder» oder «Als lebender Besen im Kamin» geben ein wenig Einblick in ein Stück verdrängte Geschichte, ein jahrhundertelanges Drama, das sich über die ganze Schweiz zog. Kaminfegerkinder, Verdingkinder , Schwabengänger  und Kinder der Landstrasse , sie alle waren die Opfer eines kaltherzigen Sozialsystems.

Elisabeth Wenger
Als Pflegekind wurde ich an Bauern verdingt. Ich hatte für meinen Unterhalt selbst aufzukommen, so verlangte es nicht nur das Gesetz, sondern auch die Pflegefamilie. Wer kann den Schmerz nachvollziehen, wenn ein Kind vom Nachbarn über Jahre hinweg sexuell missbraucht wird? Es war ja nur ein Dahergelaufenes, ein Niemand. Missbrauch, Schläge, Hunger und harte Arbeit, das war der Alltag. Die harte Arbeit tat nicht weh, es war menschliche Kälte, Lieblosigkeit, die den Pflegekindern seitens der Behörden, der Lehrer und Pfarrer, der Pflegeeltern, der Frauen und Mütter aus dem Dorf fast wie eine geschlossene Mauer entgegengebracht wurde.

Ein Pflege- oder Verdingkind war das letzte Glied in der sozialen Stufe und wurde entsprechend wie Dreck behandelt. Ich habe nicht wie so viele den Freitod gewählt, obwohl ich oft nahe daran war. Ich habe mich durch Widrigkeiten gekämpft und mich immer wieder gegen die Faust im Nacken zur Wehr gesetzt. «Du bist nichts und aus dir wird nichts» (steter Tropfen höhlt den Stein) hatte auch mein Selbstwertgefühl auf den Nullpunkt gebracht. Der Aufbau von Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl war ein langer Prozess. Der Weg zur Selbstfindung, hin zur Selbstbestimmung, erforderte viel Mut und Kraft. Denn an jeder Ecke lauerte immer wieder ein Stück Vergangenheit, das es zu bewältigen gab.

Das Pflege-, Verdingkinder- und das Kaminfegerkinderwesen ist ein Stück Schweizer Geschichte, das Hunderttausende betraf. Holen wir dieses im Dunkeln gelassene Stück Schweizer Geschichte aus der Vergessenheit ans Licht. Jedes Land hat seine Vergangenheit. Wenn wir unangenehme Wahrheiten nur verdrängen, können wir nicht daran wachsen. Unsere Heimat sollte uns so viel wert sein, auch vor den dunklen Kapiteln die Augen nicht zu verschliessen. Es geht um ein Stück Heimatgeschichte, das, aus welchen Gründen auch immer, viel zu lange verdrängt wurde.

Verfasst von Elisabeth Wenger, April 2010

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«Die Naturkulisse am Walensee ist schlicht betörend.»

NZZ

«Das Bühnenbild ist fantastisch»

Eveline Widmer-Schlumpf

«Die Geschichte der Schwarzen Brüder hat mich tief beeindruckt.»

Patric Scott

«Das Bühnenbild ist ebenso raffiniert wie reizvoll.»

Aargauer Zeitung

«Das Stück wird sehr berühren.»

Bernhard Viktorin

«Das Stück ist wirklich gut herübergekommen, es hat mich gepackt und gerührt.»

Elisabeth Wenger

«Walenstadt und seine Musicals sind mittlerweilen eine feste Grösse in der Schweizer Theaterlandschaft.»

Florian Schneider

«Das Musical besticht durch eine ausserordentlich gediegene Machart, die viel Platz für Gefühl, Romantik, aber auch Action bietet.»

Liechtensteiner Volksblatt

«Das Stück bietet eingängigen Sound, rasante Tanzszenen und ein witziges, sehr variables und gefälliges Bühnenbild. »

Zürcher Oberländer





Verbandspatronat: Schweizerischer Kaminfegermeister-Verband (SKMV)

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